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Stefan Blunier conducting Beethoven Orchestra Bonn with Mahler’s 8th symphony 09/09

Stefan Blunier dirigiert Riesen-Ensemble in Bonn

Spektakulärer Moment im Konzertleben - Der Generalmusikdirektor inszeniert Gustav Mahlers "Sinfonie der Tausend" in der Beethovenhalle

„…Der Jubel also in der Beethovenhalle war heftig; er galt einem vom Bonner Generalmusikdirektor Stefan Blunier mit strategischem Weitblick dirigierten Riesen-Ensemble aus Chor, Solisten und Orchester. Mahlers Kraftanstrengung, den mittelalterlichen Pfingsthymnus "Veni, creator spiritus" und die Schluss-Szene aus Goethes "Faust II" in ein sinfonisches Ganzes zu zwingen, steht im Bereich der Sinfonie ziemlich einzigartig dar. […]

Stefan Bluniers zwingende Interpretation bringt das Kunststück fertig, die Maßlosigkeit der Partitur zu mäßigen, ohne ihr den triumphalen Gestus zu nehmen. Oder anders: Blunier greift nicht blind in den Farbtopf, er spielt mit den Farben, mit Hell und Dunkel. Wie bezwingend das gelingen kann, ließe sich an vielen Episoden nachvollziehen: an dem feurigen Schwung des "Veni, creator" etwa, an der klug vorbereiteten Überleitung zum "Infirma", an der Betonung der tänzerischen Elemente, an dem perfekt ausgeleuchteten Vorspiel zum zweiten Teil, am ganz und gar innigen Adagissimo der Mater-gloriosa-Szene oder natürlich an der groß angelegten Steigerung des Schluss-Chores, bis denn die chorsinfonische Kraft geradezu grenzenlos erscheint. Das alles hatte wunderbare Klarheit. Blunier kann sich dabei auf vieles verlassen: unter anderem und an erster Stelle einmal auf ein Beethoven Orchester, das in allen Gruppierungen sinnlichste Klangerlebnisse vermitteln kann (einschließlich der beeindruckenden Soli von Konzertmeister Liviu Casleanu).

...“

General-Anzeiger Bonn, Ulrich Bumann, 28.09.2009

 

Größte Schönheit

Mahlers „Achte“ in Bonn

„Wer Stefan Blunier, Bonns Generalmusikdirektor seit einem Jahr, am Pult seines Orchesters kennt, ahnte, dass der Schweizer von Napoleons Größe sich auch beim Beethovenfest nicht mit Nebenkriegsschauplätzen abspeisen lassen würde. Es war die Rückkehr der Jedi-Ritter im strahlenden Messingglanz grandioser Bläser, die er seinen Musikern mit Mahlers „Achter“ erlaubte.

[…] Heute denken die bei Mahler ohnehin nie kleinlauten Musikwissenschaftler, dass nur sie in der Partitur den Reichtum finden, der auf dem Podium gar nicht zu realisieren sei und im Saal kaum ankomme. Aber die haben Blunier nicht gehört. Er schaut bei Mahler sicher auch in die Richtung des marschierenden Fortschritts. Er liebt alles, was um 1900 herum im weiten Umkreis an Musik entstand. Bonn geht es mit ihm ein bisschen wie München mit Christian Thielemann. Nur streckt Blunier seine Fühler ja viel weiter aus, auch bis zur neuesten Musik. Und diese „Achte“ von Mahler dirigierte er wiederum deutlich von Anton Bruckner her. Da sind diese Vertikalen im kürzeren ersten Abschnitt „Veni creator spiritus“, denen im mächtig sich ausdehnenden zweiten die Schlussszenen von „Faust II“ folgen. Dieser zweite Teil ist noch einmal als Sinfonie in der Sinfonie konzipiert und das Meisterstück der Blunierschen Klangregie. Ganz überlegen lenkt der Dirigent die riesigen Klangmassen. Den Schlusschören bis hin zum wundervoll jenseitigen Chorus mysticus entlockt er nicht enden wollende Schönheit.

Ganz nebenbei geriet Blunier die Ehrenrettung der in Ungnade gefallenen Beethovenhallen-Akustik, die alles aufnahm, ohne zu murren - bei doch stark auf den halben Tausender zugehender Besetzung. […] Das Orchester war mit Aushilfen weit über Sollstärke gebracht. Sehr schön auch Bluniers Einfall, die Fernposaunen auf halber Treppe mitten unters Publikum zu postieren, das drückte die Sünder in die Sessel. Dieses Beethovenfest hat nicht Größeres zu bieten. Sogar das schöne Damenquintett (dabei wieder Claudia Barainsky sowie Lioba Braun und Arpiné Rahdjian) einte Blunier ohne nennenswerte Reibungsverluste. Alexander Marco-Buhrmester war ein exzellenter Bariton für den Pater ecstaticus. Der Beifall hielt nach anderthalb Stunden tapfer mit.“

Kölnische Rundschau, H. D. Terschüren, 28.09.09