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Stefan Blunier combining Mahler 7 and Gesualdo Madrigals (Hilliard Ensemble) with Beethoven Orchestra BonnStefan Blunier und Beethoven Orchester gelingt selten eindringliche Interpretation von Mahlers Siebter SinfonieLiebeserklärung und lachende Dämonen beim Sonntagskonzert in der Beethovenhalle Bonn. Als "Liebeserklärung an das Weltall" hat Gustav Mahler den vierten Satz seiner Siebten Sinfonie beschrieben. Doch keine Musik von kosmischen Ausmaßen ist entstanden, sondern eine von größtem kompositorischem Raffinement. Durch den idyllischen Zauber einer Serenade tönt Bedrohliches, Beunruhigendes hindurch. Immer wieder legen sich Schatten über die zarte, gemütvolle Musik, Melodiebestandteile führen ein bizarres Eigenleben. Diese "Nachtmusik", wie Mahler sie genannt hat, hat etwas eigenartig Künstliches, wirkt wie nur noch veranstaltet. Nicht leicht, das auch so klingen zu lassen, ohne ins Sentimentale, Gefühlige abzugleiten. Dem Beethoven Orchester unter Stefan Blunier gelang im Sonntagskonzert in der Beethovenhalle eine Interpretation von seltener Eindringlichkeit. Die um Mandolinen- und Gitarrenklänge angereicherte Partitur wurde in allen Einzelheiten ausgeleuchtet, kein Detail blieb ungestaltet. Das Rätselhafte dieses Satzes wurde dadurch umso eindringlicher beschworen. Blunier versagte sich nicht den subjektiven, seelenvollen Momenten, verlor sich aber nicht darin. Dabei konnte er sich auf Musiker verlassen, die alles an Leidenschaft, Spiellaune und technischem Können aus sich herausholten. Betörend gelangen kammermusikalische Passagen, ebenso zwingend der ernste, zerrissen wirkende Kopfsatz und das lärmende, selbst von Mahler-Fans als problematisch empfundene Finale, das Mahler als "Rückkehr ins Leben" (nach der "Nachtwanderung" der vorausgegangenen Sätze) bezeichnete. "Schattenhaft" wünschte sich der Komponist das Scherzo, das eher einem Albtraum von Scherzo gleicht. Von der Darbietung des Orchesters dürfte er angetan gewesen sein. Spukhaft sausten die Streicherfiguren vorbei, und auch die "lachenden und kreischenden Dämonen" (Mahler) in Gestalt chromatischer Bläserfiguren geisterten überaus plastisch in der Musik umher. Zwischen den fünf Sätzen dieser Sinfonie sang das Hilliard-Ensemble (verstärkt um die Sopranistin Monika Mauch) Madrigale von Carlo Gesualdo aus dessen fünften und sechsten Madrigalbuch. So leitete etwa "O tenebroso giorno" zum Scherzo, "Felicissimo sonno" zur "Nachtmusik II" über. Das Vokalquintett bot stupenden Wohlklang, gleichwohl wirkten die Darbietungen fast ein wenig zu glatt. Auch die Idee dieser Einschübe überzeugte nicht völlig, auch wenn sich Gesualdo und Mahler durchaus als Manieristen (Blunier) begreifen lassen, aber eben als sehr verschiedene. Doch machte das Konzert Lust auf mehr Mahler in der nächsten Saison. General-Anzeiger Bonn, Mathias Nofze, 26.05.2009 |