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Stefan Blunier conducting an English program with BOB

So hört sich der Aufschwung an

Die idealen Partner: Konzert mit Alban Gerhardt, Stefan Blunier und dem Beethoven Orchester

Bonn. Wie das ideale Zusammenspiel von Solist, Orchester und Dirigent ausschauen kann, hatte man in Elgars Cellokonzert genießen dürfen: Alban Gerhardt, das Beethoven Orchester und Generalmusikdirektor Stefan Blunier - ein perfektes Trio.

Nach der Pause spielte der Cellist - eine ebenso unerwartete wie schöne Geste - bei Dvoraks 8. Sinfonie in der Cellogruppe mit. Natürlich lag es nicht daran, dass Dvoraks "Englische" geradezu hinreißend geriet - aber die Episode verrät doch einiges über die derzeitige Lage beim Beethoven Orchester.

Die Stimmung ist offenbar blendend, und das Ensemble hört sich so gut an wie lange nicht mehr. Der Besuch in der Beethovenhalle lohnt sich wieder; das Publikum honoriert den erstaunlich schnellen musikalischen Aufschwung mit Stefan Blunier mit steigendem Zuspruch.

Dvoraks "englische" Sinfonie hatte Blunier sehr großherzig in ein Programm genommen, das diesmal unter dem Motto "Very British!" stand. Englisch an ihr ist nur der Verleger, ansonsten dominieren schönste Stimmungsbilder aus Böhmens Hain und Flur.

So heiter und befreit sich diese Sinfonie selbst in ihren kleinen Verdunklungen ausnimmt - es ist nicht so einfach, die Fülle der thematischen Eingebungen in einen gescheiten sinfonischen Rahmen zu packen.

Blunier und sein Ensemble schafften das mit durchgängiger Energie, genauestens modellierten Übergängen und einer schier unerschöpflichen Skala von musikalischen Farben - vom wunderbar sanften und volltönenden Streicherchor im Adagio-Beginn bis zu den Blech-Attacken des Finales, wobei sich mittlerweile das Blech wesentlich selbstverständlicher in den Gesamtklang integriert als früher.

"Very British!" war es zuvor zugegangen, zuerst einmal mit William Waltons 1959 komponiertem March for "A History of the English-Speaking People", der sich ausnimmt, als sei Edward Elgars "Land of Hope and Glory" wieder auferstanden. Auf jeden Fall hatten die knapp fünf Minuten in Bonn den richtigen Schmiss und Pomp.

Das Herzstück des Abends, Elgars Cellokonzert, konnte in der Tat ans Herz gehen. Alban Gerhardt fand bewegenden Ton für dieses Stück voller Melancholie, mit dem Elgar seinen Abschied von der kompositorischen Bühne zu beschließen scheint.

Gerhardt spielt mit ungemein großer rhetorischer Eindringlichkeit, intensiv und beseelt in der Tongebung, zugleich auch zu einem ganz fragilen Klang fähig (das Orchester frappierte mit auserlesenem Pianissimo). So beglaubigt man, was Elgar selbst von seinem Konzert hielt: "Ein wirklich großes Werk".

Auch der Zugaben-Teil an diesem Abend hatte es in sich. Alban Gerhardt schuf mit einem Bach-Präludium schöne Momente der Meditation; Stefan Blunier hatte in der Raritätenkiste gesucht und das "Irmelin Prelude" von Frederick Delius gefunden - englischer Impressionismus von der feinsten Art und ein vom Orchester liebevoll verpacktes Bonbon für den Nachhauseweg.

General-Anzeiger Bonn, Ulrich Bumann, 17.03.2009